Kapitel 60
Ich fühlte Cassius' Griff um meine Taille sich verstärken, seine Finger gruben sich in mein Fleisch, als bräuchte er den Anker mehr als ich. Seine Hand zitterte – Verzweiflung getarnt als Stärke – jeder Druck seiner Berührung trug das Gewicht der Zurückhaltung, die zu Stücken ausfranste. Er war nicht grob. Nein, dies war das Gegenteil. Es war die Gewalt eines Mannes, der gegen sich selbst kämpfte, einen Hunger zurückhielt, der an den Nähten seiner Kontrolle kratzte. Und ich fühlte es in jedem Schauder, der zwischen uns hindurchging, in jedem rauhen Atemzug, der gegen meine Haut brach.
Mein Rücken traf die Rinde eines Baumes, raue Rippen kratzten durch den dünnen Stoff meiner Bluse. Der Aufprall sandte ein Zittern meine Wirbelsäule hinab. Kälte sickerte von der Nacht herein und biss an meine entblößte Haut, doch sein Körper strahlte Hitze aus, fiebrig und lebendig, presste sich in mich, bis ich nicht länger sagen konnte, wo ich endete und er begann. Ich keuchte, gefangen zwischen dem Stechen der Rinde und dem Ofen von ihm, festgenagelt in jenem aufgehobenen Ort zwischen Terror und etwas weitaus Gefährlicherem.
Mein Herzschlag hämmerte gegen meine Rippen, wild und unregelmäßig, schrie mich an zu rennen. Fliehen. Entkommen. Doch meine Beine bewegten sich nicht. Konnten es nicht. Der Sturm in seinem Blick hielt mich gefangen, karminrot brannte durch die Dunkelheit wie Zwillingsglut. Jene Augen – unmenschlich, gnadenlos, hypnotisch – waren jetzt entblößt, nicht länger von der sorgfältigen Kontrolle umhüllt, die er immer wie Rüstung führte. Hunger lebte dort, ja, doch er war nicht hohl. Er war schmerzend. Verzweifelt. Eine trauerdurchzogene Sehnsucht, die über Fleisch hinausreichte, über Blut, und etwas Rohes und Geheimes tief in mir berührte.
Sein Körper presste sich eng an meinen, jeder Muskel gespannt, vibrierend wie eine zum Brechen gespannte Bogensehne. Seine Brust war eine Wand gegen mich – unnachgiebig, zitternd vor Zurückhaltung. Instinktiv klammerte ich mich an ihn, Finger krallten sich in den weichen, abgetragenen Stoff seines Mantels, klammerten wie eine ertrinkende Seele, die beschlossen hatte nicht zu schwimmen, sondern zu sinken.
Meine Lippen teilten sich, bevor ich sie stoppen konnte, Worte verschütteten sich zerbrechlich und unfertig. „Cass, du musst nicht..." Der Rest zerstreute sich, dünn wie Nebel. Ich wusste nicht, was ich meinte – hör nicht auf, hab keine Angst, ich habe keine Angst – nur, dass nichts davon wahr genug war, um zu decken, was ich fühlte.
Seine Augen flackerten – kurz, herzzerreißend menschlich. Für einen Herzschlag sah ich ihn, nicht das Monster. Doch dann kollabierte der Schleier. Seine Stimme war tief, brach, als sie mich erreichte. „Ich kann es nicht stoppen, Lana. Der Hunger... er ist unerträglich."
Das geschmolzene Rot in seinem Blick vertiefte sich, Feuer verschluckte Asche. Keine Maske jetzt. Keine sorgfältige Vorwand. Nur rohe Notwendigkeit, zitternd und entblößt, und ich hatte ihn nie so ungetan gesehen.
„Ich will dich nicht verletzen", flüsterte er, und diesmal brach seine Stimme auf wie Glas unter Belastung. Seine Lippen strichen die Mulde unter meinem Ohr – sanft, ehrfürchtig, zitternd. Die zärtliche Berührung von ihm dort entwirrte mich schneller als jeder Biss es könnte.
Mein Atem stockte, zittrig und ungleichmäßig. Ich fühlte die Verschiebung – das Gleiten seiner Zurückhaltung, den Hunger, der näher strömte, und mein Körper verriet mich, indem er darauf antwortete. Zittern in meinen Händen, Hitze sammelte sich tief und scharf, ein schmerzender Bewusstsein von ihm, der Gedanken und Vernunft konsumierte. Dies ging nicht länger um Blut. Dies war Ruin, gekleidet als Verlangen.
Und dann brach es.
Ich sah es nicht einmal kommen. Eine Sekunde geisterte sein Atem gegen meine Kehle, die nächste – Fangzähne spalteten Haut. Der Schmerz war weißglühend, ein Blitzschlag unter der Oberfläche, scharf genug, um einen Schrei aus meinen Lungen zu ziehen. Doch er verschwand fast sofort, ersetzt durch etwas weitaus Schlimmeres – weitaus Besseres. Eine Flut von Hitze, flüssiges Feuer, erblühend nach außen von der Wunde, strömend durch mich, bis mein Körper damit zitterte.
Ein rauher Keucher riss aus meiner Kehle. Meine Knie knickten ein, doch er fing mich, ein Arm Eisen um meinen Rücken, der andere zerdrückte mich an der Taille. Er hielt mich, als könnte ich verschwinden, wenn er lockerte, als wäre der Akt, mich zusammenzuhalten, das Einzige, das ihn ganz hielt.
Sein Mund arbeitete gegen meinen Nacken mit einem Rhythmus, der nicht nur Hunger war, sondern Besitz. Jeder Zug war tief, intim, konsumierend – er trank nicht nur mein Blut. Er nahm mich, verschluckte Stücke von mir, die ich nicht zu opfern gemeint hatte, band mich an ihn in jedem Puls, der von meinem Körper in seinen überging.
Und noch immer ließ ich ihn.
Meine Finger krallten sich an seine Schultern, Körper bog sich hilflos gegen seinen, getrieben von einem Schmerz, den ich nicht benennen konnte. Die Einstichstelle pochte, ein dumpfes Stechen, doch darunter wuchs eine geschmolzene Lust, die sich tief in meinem Bauch rollte, gefährlich und drängend. Schmerz blutete in Hitze, in Bedürfnis, in etwas, das drohte, mich vollständig zu entwirren.
„Bleib bei mir", murmelte er gegen meine Haut, Worte gedämpft von Blut und Atem, seine Stimme rau, brechend.
Seine Fänge blieben in mir vergraben, doch sein Tempo verlangsamte sich, als kämpfte er, um zu kosten oder einzusperren, was drohte, ihn zu verschlingen. Ich konnte nicht sagen, welches. Mein Kopf drehte sich, Adern strömten mit Feuer, doch der einzige Gedanke, der sich klammerte, war dieser – ich wollte nicht, dass er aufhörte. Noch nicht. Vielleicht niemals.
Die Art, wie er mich hielt – fest, zitternd, verzweifelt – war keine Beherrschung. Es war Hingabe. Verwundbarkeit presste sich roh gegen mich, sein Griff bat mich, ihn zu verankern, ihn davon abzuhalten, auseinanderzufallen. Und Gott steh mir bei, ich wollte.
„Cass..." Meine Stimme brach, zerrissen zwischen Erdung und Hingabe. Mein Körper zitterte in seinen Armen, entwirrte Faden für Faden.
Sein Griff verstärkte sich, Taille zu Brust, zog mich, bis es keinen Raum, keine Luft zwischen uns gab. Ich fühlte seine Zurückhaltung schwinden, schnappend Strang für zerbrechlichen Strang. Sein Gesicht presste sich an meinen Nacken, Atemzüge rau, jedes Zittern in ihm hallte durch mich.
„Lana", stöhnte er, Stimme brechend, „ich kann es nicht kontrollieren. Ich brauche dich. Du bist die Einzige, die es stoppen kann."
Die Art, wie er meinen Namen sagte – wie es sowohl ein Geständnis als auch eine Rettungsleine war – durchbohrte tiefer als seine Fänge. Es war nicht Überleben. Es war nicht Hunger. Es war Hingabe, ruinös und roh.
Ich hätte ihn wegstoßen sollen.
Stattdessen neigte ich meinen Kopf, entblößte meine Kehle weiter, bot ihm mehr. Gefährlich. Vertrauend. Mein.
Meine Beine zitterten unter mir, doch er trug mein Gewicht, weigerte sich, mich fallen zu lassen. Seine Stärke zitterte, zerbrechlich, doch sie hielt.
„Cass..." Meine Stimme war diesmal ein Gebet. „Bitte..."
Jenes Wort zerbrach etwas. Er erstarrte, dann hob er langsam seinen Kopf. Karminrot befleckte seine Lippen, glitzerte im Mondlicht. Sein Blick brannte durch mich, verfolgt, hungernd, verheerend schön in seinem Terror.
Und ich sagte es. Ich musste.
„Ich habe keine Angst vor dir."
Die Worte zitterten, brachen – doch sie waren Wahrheit. Sie kamen von einem Ort tiefer als Furcht, von dem Teil von mir, der bereits ihm gehörte.
Seine Augen flackerten, zerrissen, ein Krieg tobte in ihm. Doch ich blickte nicht weg.
„Ich will dich, Cass."
Und Gott, ich meinte es.
Er sprach zuerst nicht. Seine Augen fingen meine, verweilten, dann drifteten tiefer und landeten auf meinen Lippen, als wäre der bloße Anblick von ihnen allein sein Verderben. Seine Hand glitt von meiner Taille aufwärts, absichtlich, gleitend über Stoff und Knochen, bis sie meine Brust fand. Seine Handfläche barg mich dort, Daumen strich langsame Kreise, nicht mit Dringlichkeit, sondern mit einer Sanftheit so verheerend, dass sie sich wie Gnade anfühlte, getarnt als Qual.
Die Berührung hätte besänftigen sollen, doch stattdessen entwirrte sie mich. Hitze sammelte sich tief, geschmolzen und drängend, fädelte Feuer durch meine Adern. Mein Atem stolperte; mein Puls stotterte unter seiner Hand. Jeder Strich lockte mich näher zu etwas, für das ich keinen Namen hatte, etwas sowohl erschreckend als auch unvermeidlich. Verlangen verwand sich mit Furcht, bis ich sie nicht trennen konnte – mein Körper verriet mich, brannte für ihn, selbst als mein Verstand vor dem Abgrund warnte, der an seinem Mund wartete.
„Lana", flüsterte er schließlich. Mein Name zerbrach in seiner Kehle, ein Gebet, das unter dem Gewicht des Hungers zersplitterte. Sein Gesicht schwebte gerade über meinem, der Geist seines Atems streifte meine Lippen, süß mit dem eisernen Hauch von Zurückhaltung, die an ihren Rändern ausfranste.
Der Raum zwischen uns war unerträglich. Jeder Schlag meines Herzens donnerte wie eine Bitte, jeder Nerv schrie nach Zusammenbruch. Liebe, Ruin, Erlösung – sie verschwammen, bis nichts übrig blieb außer diesem unmöglichen Schmerz.
Es war mir egal, welches es war.
„Erfülle mich, mein Lord", hauchte ich, Stimme dünn und gebrochen, zitternd mit einer Verzweiflung, die ich nicht länger verbergen konnte. Die Worte fielen wie Kapitulation, wie eine Opfergabe in seine Hände gelegt.
Cassius' Blick veränderte sich, erweichte, obwohl es die Weichheit von Sturmwolken Momente vor dem Wolkenbruch war. Seine Augen, dunkel wie verschüttete Tinte, tranken mich – suchend, memorierend, verdammend. Langsam, unerträglich langsam, zeichneten seine Finger abwärts, kartierten das Terrain von mir, als schnitzten sie Erinnerung ins Fleisch. Jede Berührung hinterließ Funken in ihrem Gefolge, ein Zittern, ein Seufzer ungebeten aus meinen Lippen gezogen.
Es war zu viel. Es war nicht genug.
Jede Kurve, jeder Atemzug, jedes Zittern meines Körpers gehörte ihm in jenem Augenblick – beansprucht, konsumiert, geweiht durch die Geduld, die das Raubtier darunter verbarg.
Kapitel 61
Er lehnte sich hinein, sein Atem warm gegen meine Haut, und ein Schauder fuhr so scharf meine Wirbelsäule hinab, dass er die Luft aus meinen Lungen stahl. Die Nacht selbst schien stillzustehen, dick vor Spannung, als brüstete sich die Welt für den Bruch. Meine Augen flatterten geschlossen, Puls hämmerte wild in meiner Kehle, jeder Schlag lauter, lauter, bis er Gedanken ertränkte. Ich wusste – was auch immer als Nächstes geschah, es gäbe keine Rückkehr.
Und dann gab er nach.
Ein kleiner, erstickter Laut entkam mir, als seine Lippen meine berührten. Der Kuss war ehrfürchtig, unerträglich sanft, fast grausam in seiner Zärtlichkeit – als beanspruchte er mich nicht mit Gewalt, sondern mit Anbetung. Die Langsamkeit davon brannte. Meine Hände ballten sich im Stoff an seinen Schultern, klammerten, während mein Körper hilflos in seinen schmolz.
Doch sein Mund verweilte nicht.
Er bewegte sich tiefer, zeichnete Hitze entlang meines Kiefers, hinab der Säule meiner Kehle, bis er das rasende Flattern meines Herzschlags erreichte. Mein Atem stockte, Körper bog sich ihm entgegen, die Spannung in mir spulte sich fester und fester, bis sie drohte zu schnappen.
Dann der Biss.
Seine Fänge durchbohrten sauber, und ein scharfer Schrei riss aus mir heraus, bevor ich ihn stoppen konnte. Schmerz blitzte hell, sengend – doch er war fast sofort fort, konsumiert von etwas Heißerem, Dunklerem. Sein Mund versiegelte sich um die Wunde, und die Welt kippte. Mein Blut sang in meinen Adern, rauschte zu ihm, ergoss sich in den intimen Zug seiner Lippen. Der Schmerz verdrehte sich, faltete sich in Lust so heftig, dass ich dachte, mein Körper könnte sich selbst zerreißen, nur um sie zu halten.
Seine Arme klammerten sich um mich, eisern und verzweifelt. Er hielt mich, als wäre mein Körper der einzige verbliebene Anker für ihn, Griff unnachgiebig, fast zerdrückend, doch zitternd vor Zurückhaltung, die er nicht behalten konnte. Mein Atem kam rau, gebrochen, sein Duft überflutete mich – Rauch, Eisen, Erde. Seine Wärme presste überall in mich, überwältigte jeden Sinn, bis ich brannte.
Und noch immer war es nicht genug.
Cassius hob mich, als wöge ich nichts, meine Füße verließen den Boden. Die plötzliche Schwerelosigkeit ließ mich keuchen, klammerte fester an ihn, meine Beine wickelten sich instinktiv um seine Taille. Aufgehängt, zitternd, fühlte ich mich gefangen zwischen dem, was ich gewesen war, und dem, wozu er mich umarbeitete.
Während er trank, fühlte ich es – nicht nur das Nehmen, sondern das Geben. Eine Verbindung, die tiefer als Fleisch sank, fädelte Knochen zu Knochen. Jeder Zug war besitzergreifend, ja, doch lag etwas anderes darunter, etwas Roheres: er goss sich selbst in mich zurück, eine verborgene Wunde von ihm drückte gegen meine.
„Cass..." Meine Stimme war ein gebrochener Faden, verloren im Rausch.
Sein Körper verschob sich, Hüften pressten sich in mich, suchend mit einem Bedürfnis, das er nicht länger verbergen konnte. Die Hitze von ihm riss einen Schrei aus meinen Lippen, und als er in mich eintrat, zerbrach die Welt. Mein Rücken bog sich gewaltsam, Mund fiel auf, Augen rollten, als jeder Nerv auf einmal aufleuchtete. Er füllte mich, tief und unnachgiebig, jede Bewegung trieb mich weiter von Verstand fort.
Er knurrte gegen meine Haut, der Laut guttural, animalisch, vibrierte durch meine Knochen. Mein Körper klammerte und zitterte mit jedem Stoß, zuckend um ihn, zog mehr raue Laute aus uns beiden. Sein Hunger war wild, doch er war nicht grausam – es war Bedürfnis, roh und ungefiltert, gegossen in jede Bewegung, als versuchte er, sich in mir zu vergraben, sich ganz in mir zu verlieren.
Er riss seinen Mund von meinem Nacken, gerade lange genug, um mich anzusehen. Seine Augen glühten wie Kohlen, Blut befleckte seine Lippen, Hunger und Ruin über sein Gesicht geschrieben. Doch hinter dem Feuer sah ich es – Bedauern, Zärtlichkeit, Furcht. Seine Stimme brach, als sie ihn verließ, heiser und zerstört. „Lana... ich versuche es. Ich versuche aufzuhören."
Tränen stachen meine Augen, verschütteten, ohne dass ich wusste, warum. Meine Stimme war schwach, verzweifelt. „Tu's nicht. Hör nicht auf. Ich will das. Ich will dich."
Das Knurren, das aus seiner Brust riss, war nichts wie eine Drohung – es war Qual und Erleichterung und Hingabe fest zusammengewickelt. Sein Körper presste härter in meinen, Bewegungen vertieften sich, Rhythmus löste sich in etwas Wilderes, Härteres auf. Jeder Stoß zog mich höher, riss mich auseinander, ließ mich zitternd am Rand des Brechens.
Mein Atem kam in rauhen Schluchzern von Laut, halb-Keuchen, halb-Stöhnen, bis eine wilde Hitze sich in mir baute, rollte fest, unerträglich. Mein Körper krampfte um ihn, zitternd, Feuer riss durch mich in Wellen. Die Auslösung war zu viel, zu roh, ließ mich schreiend zurück, meine Glieder schwach, Körper ungetan.
Cassius' tiefes Lachen grollte gegen meine Haut, dunkel und atemlos, seine Befriedigung tastbar, als er mich sich entwirren sah. Seine Augen erweichten, Karmin noch glühend, doch gemildert von etwas Sanfterem – etwas fast unerträglich Menschlichem.
Langsam zog er sich zurück, Lippen zogen sich von meiner Haut zurück. Blut glitschte seinen Mund, glitzerte im Mondlicht. Er wischte es mit dem Handrücken weg, sein Kiefer fest, Atem rau. Selbst im Nachwehen zitterte seine Zurückhaltung auf Messers Schneide, als hätte er sich kaum davon abgehalten, eine Linie zu überqueren, von der er niemals zurückkehren konnte.
Und doch – ich wollte, dass er es tat.
„Geht es dir gut?" Seine Stimme war leise, durchzogen mit einer Sorge, die das Zittern darin nicht ganz verbarg. Seine Augen fegten über mich, durchsuchten mein Gesicht, meine Kehle, meine zitternden Hände, als erwartete er, mich zerbrochen zu finden.
„Ich weiß es nicht", flüsterte ich und lehnte mich in die Hitze seiner Handfläche. Meine Lippen prickelten noch, meine Haut brannte noch, wo sein Mund gewesen war. „Aber ich will nicht, dass dieses Gefühl endet."
Etwas flackerte in seinem Blick – Staunen, Unglaube und jenes dunklere Ding, der Hunger, der noch unter seiner Haut schwelte. Er strich eine feuchte Haarsträhne von meiner Wange mit überraschender Sanftheit, Finger verweilten, als wäre er widerwillig, mich loszulassen.
„Nein." Sein Lachen war tief, bitter an den Rändern. „Ich muss aufhören, du kleine hübsche Undankbare." Sein Daumen zeichnete die Linie meines Kiefers nach, die Berührung fast ehrfürchtig trotz der Härte seiner Worte. „Du machst den Hunger leiser... Ich –" Er stockte, schluckte etwas zu Gefährliches, um ausgesprochen zu werden. „Ich fühle mich nie so für..." Sein Satz brach ab, blieb unvollendet, und die Stille war lauter als alles, was er hätte gestehen können.
Doch ich war zu verloren in den Nachwehen – zu konsumiert von dem geschmolzenen Schmerz, der sich noch in mir entfaltete – um ihn nach mehr zu drängen. Mein Körper summte, jeder Nerv lebendig, jeder Muskel zitterte mit dem Echo seines Besitzes.
Er hielt mich fester, nur für einen Moment, als könnte die Welt mich von ihm reißen, wenn er seinen Griff lockerte. Dann, mit einer Sorgfalt, die nicht zu den wilden Knurren von Minuten zuvor passte, sammelte er mich in seine Arme und trug mich hinein. Sein Schritt war stetig, ehrfürchtig, wie ein Ritter, der eine Opfergabe trägt – oder ein Sünder, der seine Sünde trägt.
Die Nacht war jetzt still, die Grillen stumm, die Luft schwer mit dem Geist dessen, was vorbeigegangen war. Doch in mir war alles Chaos: ein Sturm aus Hunger und Kapitulation, Liebe verwickelt mit Ruin, mein Herz schlug wild gegen seine Brust.
Er legte mich auf das Bett, als wäre ich zerbrechliches Glas. Die Decke flüsterte über meine Haut, als er sie hochzog, steckte sie nah mit Händen, die an den Rändern fein zitterten. Ich starrte zu ihm auf, Brust hob sich, Körper schmerzend an Stellen, von denen ich nicht gewusst hatte, dass sie schmerzen konnten. Die Verwirrung schnitt tief – denn durch die Erschöpfung und Glückseligkeit gefädelt war etwas Neues, etwas erschreckend Weiches. Bedürfnis. Sicherheit. Liebe.
Cass beugte sich über mich, sein Schatten fiel über mein Gesicht. Er drückte seinen Mund auf meine Stirn im bloßen Geist eines Kusses – so sanft, dass es mehr schmerzte als der Biss. „Ruh dich aus", murmelte er, Stimme roh, trug das Gewicht eines Befehls, von dem er wünschte, ich würde ihm nicht gehorchen.
Ich wollte. Ich wollte ihn herunterziehen, ihn mit meinen Armen und Beinen an mich binden, bis er keine Wahl hatte, als mit mir in diesem zu ertrinken. Doch mein Körper verriet mich – zu schwer, zu erschöpft, sank in die Laken. Meine Augenlider flatterten, zitterten vor Anstrengung, offen zu bleiben.
Selbst halb verloren an Erschöpfung fühlte ich ihn dort. Nicht berührend, doch nahe. Ein Schatten saß neben meinem Bett, ein Wächter hielt Nachtwache. Sein Hunger strahlte wie Hitze, gebremst aber nicht ausgelöscht, in einem Krieg eingeschlossen mit der Zärtlichkeit, die ihn davon abhielt, wieder nach mir zu greifen.
Und in der zerbrechlichen Stille verstand ich.
Dies war kein Ende. Es war eine Bindung. Ein Faden war zwischen uns geknotet worden – Blut zu Blut, Atem zu Atem, Schmerz verflochten mit Lust. Ich wusste nicht, wohin er führen oder welchen Ruin er fordern würde.
Doch als ich in die Dunkelheit driftete, fühlte ich ihn, der mich beobachtete – mich bewachend, als wäre ich kostbar, heilig sogar.
Als wir das Herrenhaus erreichten, ächzten die schweren Holztüren in ihren Angeln und schwangen auf, um Rael zu offenbaren, der gerade jenseits der Schwelle stand. Seine Haltung war täuschend entspannt, doch in dem Moment, als seine Augen meine fanden, huschte ein Flackern von etwas Schärferem durch sie – Neugier, Berechnung, vielleicht sogar Verdacht.
„Willkommen zurück, Lana", begrüßte er, sein Ton warm, gemessen, täuschend beiläufig. Doch ich fühlte das Gewicht hinter den Worten, die unausgesprochene Frage, die zwischen uns drückte.
Dann driftete sein Blick tiefer. Subtil. Flüchtig. Doch genug. Genug, um einen Schauder meine Wirbelsäule hinabkriechen zu lassen. Er hatte gesehen. Die schwachen, wütend-purpurnen Bissspuren an der Kurve meines Nackens, noch zart, noch heilend – sie trugen stilles Zeugnis dessen, was geschehen war.
Ich hielt meine Zunge, ließ die Stille sich dehnen. Rael sprach auch nicht, doch sein Kiefer spannte sich, Lippen pressten sich zu einer dünnen Linie. Seine Stille war lauter als jede Anklage; sie trug Anerkennung, ein stilles Abwägen der Fakten. Er wusste. Er wusste, was passiert war. Was Cassius getan hatte.
Ich versuchte wegzusehen, mich auf den polierten Marmor unter meinen Füßen statt auf den subtilen Sturm seines Ausdrucks zu konzentrieren. Doch es war nicht leicht. Die Luft selbst schien mit dem Ungesagten zu summen, jeder Herzschlag verstärkte die Spannung, bis sie gegen meine Haut summte.